Von Metros und Sanktionen

Tucker Carlson entdeckt in Moskau seine Liebe für U-Bahn-Stationen und was zunächst wie ein Scherz klingt, hat einen ernsten Kern. In einem gut dreiminütigen Video inszeniert Carlson die Moskauer Metro-Station Kiewskaja als Gegenthese zum Narrativ eines unterentwickelten Russlands. 

Carlson greift hierbei auf zwei Techniken zurück, die in Kombination mit seiner enormen Reichweite ihre Wirkung nicht verfehlen dürften: Suggestion und Visualisierung

Die Suggestion lautet: Wie kann es sein, dass selbst in Russland die Metro-Station besser aussieht, als zu Hause in den USA. Eine Antwort darauf bleibt Carlson natürlich ebenso schuldig, wie jegliche journalistische Einordnung. Der rhetorisch-propagandistische Kunstgriff des „Ich stelle bloß Fragen“ in Reinform.   

Show, don’t tell

Die Visualisierung soll die Suggestion dann untermauern. Show, don’t tell lautet ein geflügeltes Wort aus der Erzähltechnik, was ungefähr so viel bedeutet wie: Zeige den Leuten, was du sagen möchtest und beschreibe es nicht mit bloßen Worten. 

Mit der Metro-Station wählt Carlson dabei ein Motiv, welches vollumfänglich anschlussfähig ist. Eine saubere Metro versteht jeder. 

Anders sieht es bei Sanktionsregimen aus. Wirtschaftssanktionen sind komplizierte, abstrakte, rechtliche Gebilde. Sie sollen ein politisches Ziel erreichen und sind vor diesem Hintergrund latent von demokratischer Unterstützung abhängig. 

Nun ist nicht jedes fachpolitische Detail kommunikationsfähig. Aber, und das ist der Punkt: 

Wenn in großem Stil (+21 Million Views allein auf X) die Axt an die Glaubwürdigkeit westlicher Narrative um den Lebensstandard in Russland und die Wirksamkeit von Sanktionen gelegt wird, ist es ggf. an der Zeit, kommunikativ gegenzusteuern. 

Und so ist das Video von Tucker Carlson in der Metro deshalb so problematisch, weil es kein inhaltliches Gegenstück zu seinem Narrativ gibt. 

Für die Langstrecke des demokratischen Rückhalts der Sanktionspolitik fehlt es an zugänglicher, intuitiv verständlicher Kommunikation. Keine Zahlen, Daten, Fakten, sondern Symbole. 

Im Zentrum einer entsprechenden Kampagne sollte die Reduktion komplexer Politik stehen bis auch der letzte zumindest gesehen und verstanden hat:

„Aha. So war es vorher, so ist es jetzt. Unsere Politik zeigt Wirkung.“ 

Bislang sucht man so etwas vergebens. 

Was tun, wenn der Shitstorm kommt? Demokratiekongress 2023

Am Samstag, den 9. Dezember, war Bendix Hügelmann in Frankfurt auf Einladung der gemeinnützigen Hertie Stiftung beim Demokratiekongress 2023 und leitete einen Workshop zur Frage „Shitstorm! Was nun? Digitale Krisenkommunikation in der Kommune.“

Der Workshop unter der Moderation von Melodie Parva war eingebettet in ein zweitätiges Programm, das unter folgendem Titel stand: „Beruf: Politik. Denn nur wer mitmacht, kann verändern.“ 

Dieses Motto gefällt uns bei People on the Hill natürlich sehr und weckt Erinnerungen an den Feldaufenthalt in Washington 2022, wo Patagonia seinen Mitarbeitenden zur Wahlteilnahme bei den Midterms einen Tag Urlaub bereitstellte. Titel der Kampagne: „Democracy works when you do“

Entsprechend freudig war die Stimmung am Beginn des Workshops, der zunächst mit einem Erfahrungsaustausch im Umgang mit Shitstorms begann.

Es zeigte sich, dass sowohl Kommunikationsdynamik als auch Resilienz von den Teilnehmenden als zentrale Bausteine für die Bewältigung von Shitstorms genannt wurden. 

Weitere Erkenntnisse konnten anhand von Case Studien, unter anderem von HateAid, dem Bundestagswahljahr 2021, oder auch aus dem kommerziellen Marketing am Beispiel einer Fluglinie analysiert und besprochen werden. 

Alles in allem, ein sehr angenehmer und konstruktiver Workshop und eine sehr gute Organisation der Veranstaltung seitens der Hertie Stiftung.

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